Der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem
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Der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem

Nach einer langen und wechselvollen Geschichte sind die drei päpstlich anerkannten Ritterorden wieder dort angelangt, wo alles seinen Anfang nahm: Förderung der Spiritualität durch den Dienst am Mitmenschen.

 

Der wohl bedeutendste der drei anerkannten Orden ist der Malteser-Orden, dessen Grossmagisterium sich in Rom befindet. Der „Souveräne Malteser-Ritterorden vom Hospital des hl. Johannes zu Jerusalem, genannt von Rhodos, genannt von Malta“ (so seine offizielle Bezeichnung) hat sich vor allem durch seinen humanitären Einsatz in den Krisengebieten der Welt und in den Entwicklungsländern einen Namen gemacht. Allein im Libanon unterhält der Ritterorden elf Kliniken. Dazu kommen weitere Spitäler, Altersheime, Kindergärten und Heime für Behinderte. In Deutschland betreibt der Orden zudem den Malteser-Hilfsdienst.

Die Aktivitäten des seit 800 Jahren bestehenden Deutschen Ordens konzentrieren sich vor allem auf seine ursprünglichen Verbreitungsgebiete Deutschland und die Länder der ehemaligen Donaumonarchie Österreich-Ungarn. Der Orden betreibt Spitäler und Obdachlosenheime. Seine Angehörigen arbeiten zudem in Pfarrgemeinden, Jugendheimen, Schulen und Krankenhäusern. In der Schweiz tritt der Deutsche Orden nur am Rande in Erscheinung.

Die vom Papst zugewiesene Hauptaufgabe des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem, vom dem nachstehend die Rede sein soll, ist die Unterstützung der Christen im Heiligen Land. Sein geistiges Ziel ist die Förderung der christlichen Lebensführung der Mitglieder im Sinne der katholischen Kirche und in Treue zum Papst.

Die Ziele des Ordens

Im Lichte dieser Vorgaben betreiben die Ritter und Damen des Ordens Einrichtungen der katholischen Kirche im Heiligen Land. Dies geschieht insbesondere durch die Unterstützung der religiösen, kulturellen und sozialen Aktivitäten und Einrichtungen der Christen in Israel, in den von Israel besetzten Gebieten sowie in Jordanien.

 

Vom Orden materiell unterstützt werden vor allem Pfarreien, Schulen, Seminare, Kindergärten und Spitäler des Lateinischen Patriarchats. Schriftliche Berichte über die Situation der Christen im Heiligen Land sowie regelmässige Pilgerreisen, organisiert von den Statthaltereien der einzelnen Länder, geben den Ordensmitgliedern Einblick in die Sorgen und Nöte der christlichen Bevölkerung im Nahen Osten. Zudem können sie sich vor Ort über den Fortgang der Projekte und noch anstehende Probleme aus erster Hand informieren.

Aktuelle Projekte des Ritterordens

Wie bei den Maltesern und dem Deutschen Orden ist die Hilfe keine summarische, sondern eine projektbezogene. Die Auswahl der Projekte geschieht durch das Grossmeisteramt, das seinen Sitz in Rom hat. Kardinal-Grossmeister des Ordens ist S. Em. John Patrick Kardinal Foley, der am 27. Juni 2007 die Nachfolge von S. Em. Carlo Kardinal Furno angetreten hat; Grossprior ist der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Monsignore Michel Sabbah.

In Anbetracht der grossen Not der Christen im Heiligen Land ist anlässlich der letzten Consulta (Versammlung) in Rom beschlossen worden, neue Bauvorhaben wie z. B. Schuler-weiterungen zugunsten der rein humanitären Hilfe vorläufig zurückzustellen.

Die derzeit wichtigsten der laufenden Projekte sind: Betrieb und Erweiterung des Schulzentrums Kerak-al-Nasieh, dem biblischen Moab in Südjordanien, Unterhalt und Betrieb der Schulen des Lateinischen Patriarchats, Schulstipendien, Nothilfe in den von Israel besetzten Gebieten sowie der Betrieb der Universität in Betlehem.

Ein Beispiel: die Schulen des Lateinischen Patriarchats

Das Lateinische Patriarchat unterhält in Israel, Jordanien und in den Autonomiegebieten 43 Schulkomplexe mit 35 Kindergärten, 34 Primar-, 22 Sekundar- und 12 Gymnasialschulen. Von den rund 19'000 Schülern wohnen 2'000 in Israel, 12'000 in Jordanien und 5'000 in den besetzten Gebieten. Die Schulen werden nicht konfessionell sondern ökumenisch geführt. Der Anteil von Moslems aller christlichen Schulen beträgt derzeit rund 45 %.

Der Gesamtaufwand der Patriarchatsschulen in Israel beträgt rund 2,7 Mio. USD. Bei den Einnahmen belaufen sich die Schulgelder auf 600'000 USD, während der Staat 2,1 Mio. USD beisteuert.

Anders zeigt sich die Situation in Palästina, wo sich die Gesamtausgaben auf 3,1 Mio. USD belaufen. Diesen stehen lediglich 1,6 Mio. USD. an Schulgeldern gegenüber. Das Defizit beträgt hier 1,5 Mio. USD. In Jordanien stehen Gesamtausgaben von 3,7 Mio. USD sogar lediglich 1,9 Mio. USD an Schulgeldern gegenüber, was einen Fehlbetrag von 1,8 Mio. USD. ergibt. Da die Christen als Minderheiten nicht zur finanzstarken Bevölkerung gehören, sind die Patriarchatsschulen darauf angewiesen, dass die Defizite durch die Hilfe von aussen gedeckt werden.

Zur Geschichte des Ordens

Eines der frühesten schriftlichen Zeugnisse des Ritterordens stammt aus dem Jahre 1335. Damals war es Brauch, dass Adelige zum Abschluss ihrer Pilgerreise ins Heilige Land zu Rittern des Heiligen Grabes ernannt wurden. Der zeremonielle Akt wurde vom Kustos des im Jahre 1099 gegründeten Stiftes der Augustiner-Chorherren in der Grabeskirche vollzogen. Seit dem 13. Jahrhundert obliegt die Verwaltung der christlichen Gedenkstätten den Franziskanern.

Spätestens im 16. Jahrhundert wurden am Heiligen Grab nicht nur Angehörige des Adels, sondern auch bedeutende Magistratspersonen, hohe Prälaten und Handelsherren mit der Ritterwürde ausgezeichnet. Über Jahrhunderte hinweg handelte es sich dabei stets um eine Einzelritterschaft; die Ritter von Heiligen Grab hatten keine Satzungen und blieben ohne organisatorischen Zusammenschluss. Erst im Jahre 1848 wurden sie im Zusammenhang mit der Wiedererrichtung des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem (lateinisches Bistum im Heiligen Land und auf Zypern) zu einem Orden zusammengeschlossen. Von Papst Pius IX. erhielten sie ein eigenes Statut und wurden dem Kirchenrecht (Codex luris Canonici) unterstellt. Die Vereinigung der Ritter vom Heiligen Grab ist auf dieser Grundlage eine juristische Person des kanonischen Rechts und steht als Körperschaft unter dem Schutz des Heiligen Stuhls.

Die 1950 errichtete Schweizerische Statthalterei ist in drei Sektionen unterteilt, nämlich Deutsche Schweiz, Suisse Romande und Svizzera Italiana. Jede Sektion ist in Komtureien gegliedert. In der Sektion Deutsche Schweiz sind dies die Komtureien Basel-Tierstein, Bern, Churrätien, St. Gallen, Solothurn, Waldstätte und Zürich. Die geistliche Leitung der Schweizerischen Statthalterei des Ordens unterliegt derzeit S. E. Pier Giacomo Grampa, Bischof von Lugano. Statthalter ist derzeit S. E. Avv. Giorgio Moroni Stampa aus Lugano. Die Aufnahme in den Orden geschieht durch einen Vorschlag des Statthalters zuhanden des Grossmeisteramtes in Rom.

Kurt Lussi