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Wallfahrten

Gleich ob Jerusalem, Rom oder Santiago de Compostela: diese drei Hauptziele eines christlichen Pilgers sind von alters her bezeugt. Wiege und Ort der Besiegelung des Glaubens an den dreieinigen Gott, Opferstätte der frühesten Blutzeugen Petrus und Paulus, Sternenfeld der Ausbreitung des christlichen Glaubens: davon legt die geheiligte Erde in Jerusalem, Rom und Santiago Zeugnis ab.

Die erwähnte Wallfahrtstriade steht jedem Christen offen, der den Weg der inneren Reinigung und Heiligung unter die Füsse nehmen will. Das Zweite Vatikanische Konzil hat die Kirche als pilgerndes Volk Gottes umschrieben, das zur Zeit der irdischen Kirche immer auf dem Weg ist. Dieser Pilgerschaft wird sich jeder und jede Gläubige ganz besonders in dem Moment bewusst, wenn er oder sie eine Wallfahrt antritt.

Die Ritter und Damen des Ordens vom Heiligen Grab sind ebenfalls Glieder des pilgernden Gottesvolkes. Sie sind dies sogar in ganz besonderer Weise, denn ihr geistliches Sinnen ist vornehmlich auf Jerusalem und die Heiligen Stätten ausgerichtet. Ihr karitatives und soziales Engagement richtet sich in erster Linie an die Christen im Heiligen Land. Dadurch wandert ihr Geist mehrmals pro Jahr an die Orte des Wirkens und Leidens Jesu Christi. Ritter und Damen sind demnach bereits auf Grund ihrer Zugehörigkeit zum Heiliggraborden in steter Verbindung mit dem irdischen Jerusalem.

In den Richtlinien für die Erneuerung des Ritterordens vom Heiligen Grab im Hinblick auf das dritte Jahrtausend heisst es: „Eine Wallfahrt zum Heiligen Grab unseres Herrn und in das Heilige Land entspricht einer moralischen Verpflichtung, die jeder Ritter und jede Dame – mit der Hilfe Gottes – wenigstens einmal in ihrem Leben erfüllen sollte.“ Diese Forderung wird mit einem inneren und einem äusseren Grund untermauert. Die Wallfahrt hilft uns, die Bedeutung unseres Lebens als „Pilger des Glaubens“ und seine Verankerung in der Auferstehung Jesu Christi besser zu verstehen. Auf diese Weise werden wir für ein gegenseitiges ökumenisches und karitatives Verständnis unseren Glaubensbrüdern und –schwestern gegenüber empfänglicher und werden in diesem Zusammenhang begreifen, dass der Weg des Kreuzes ein Weg des Lebens und der Hoffnung ist.

Ferner ist die Wallfahrt zum Grab unseres Herrn und zu den anderen Heiligen Stätten auch ein Akt der Solidarität mit unseren Brüdern und Schwestern im Heiligen Land. Unsere Gegenwart bei ihnen ist eine Ermutigung für das christliche Volk, welches eine Minorität in dieser Region darstellt und inmitten vieler Probleme, unter einem enormen Druck und mit grössten Schwierigkeiten leben muss.

Ritter und Damen der Schweizerischen Statthalterei nehmen die Aufforderung, die Heiligen Stätten zu besuchen, sehr ernst. Regelmässig werden Wallfahrten zu den erwähnten drei Pilgerstätten organisiert. Wallfahrten ins Heilige Land werden regelmässig angeboten, ebenso nach Rom. Santiago ist bis jetzt eher ein Fernziel geblieben, das gut alle zehn Jahre als Pilgerort aufgesucht wird (1972, 1983, 1997).

Einzelne Wallfahrten führten nach Fatima (1972, 2008), zur Schwarzen Madonna in Tschenstochau (1988) und zum Grabtuch von Turin (1998). Aber auch näher gelegene Wallfahrtsorte wie Einsiedeln, Mariastein und Flüeli-Ranft - teilweise mit einer Investiturfeier verbunden – dienten der Vertiefung der persönlichen Frömmigkeit. Dieser wichtige Bestandteil  des Ordenslebens in der Schweiz liess die einzelnene Mitglieder immer wieder  von neuem zu tätiger Caritas – besonders im Heiligen Land – inspirieren. So ist das Wallfahrtserlebnis im Lauf der Zeit zu einer festen Tradition der Schweizerischen Statthalterei geworden, die bereits auf die stattliche Zahl von über 40 Pilgerfahrten zurückschauen kann.