Spiritualität
Spiritualität
Die vom Papst zugewiesene Hauptaufgabe des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem ist die Unterstützung der Christen im Heiligen Land. Die Förderung der Spiritualität durch den Dienst am Mitmenschen steht als weiteres Gebot über dem Ritterorden. Das geistige Ziel ist demnach die Förderung der christlichen Lebensführung der Mitglieder im Sinne der katholischen Kirche und in Treue zum Papst, demzufolge sind auch die Aktivitäten in unserem Orden gehalten.
Der Sitz der Schweizerischen Statthalterei des Ritterordens ist im St. Michaelsstift in Beromünster, wo sich beim Kreuzgang auch eine Wappentafel befindet. Der Terminkalender der Sektionen und Komtureien umfasst jedes Jahr verschiedenster Anlässe, religiöser oder kultureller Natur, darunter religiöse Feiern, wie Maria Lichtmess, St. Fridolinsfest, St. Bernhard-Fest, die Fronleichnamsprozession, Sommeranlässe, sommerliche Kulturreisen ins Ausland und in allen Komtureien eine Adventsfeier.
Investitur und Kapitelversammlung
Das soziale Leben manifestiert sich vor allem in der alljährlichen Investiturfeier. Die Mitgliedschaft im Ritterorden ist ein persönliches Bekenntnis zum apostolischen Wirken in der Kirche und in der Welt, insbesondere zur tätigen Liebe für die Mitmenschen. Mit dem Beitritt in den Orden übernehmen die Mitglieder eine grosse Verpflichtung zum Laienapostolat. Diese Ernennung zum Ritter bzw. zur Dame möchte den ritterlichen Geist in einem höheren Masse weiterentwickeln und zur Auswirkung bringen. Dafür hat die Kirche einen zeremoniellen Ritterschlag und eine religiöse Organisation geschaffen. Somit hat der Orden des Heiligen Grabes ausschliesslich einen religiös-kirchlichen Charakter. Die Investitur ist daher die feierliche und öffentliche Aufnahme eines Mitgliedes in die Gemeinschaft des Ritterordens.
Anlässlich der Investiturfeier versammeln sich die Ordensmitglieder, die Ritter und Damen, einmal jährlich zur Kapitelversammlung (Generalversammlung), um die Belange des Ordens zu besprechen und entsprechende Beschlüsse zu fassen. Zudem werden die neuen Kandidatinnen und Kandidaten dem Plenum vorgestellt. Dies geschah in der Schweiz zum ersten Mal 1948 in Oberwaid im Kanton St. Gallen. Anschliessend gab es einmal jährlich solche Investituren. Ausnahmsweise bildeten besondere Ereignisse wie die Einweihung des renovierten Kapitelsaals und der Kirche in Beromünster den Rahmen für eine zusätzliche Investitur. In Bezug auf die Durchführungsorte war man bestrebt, die ganze Schweiz zu berücksichtigen.
Um die Internationalität des Ordens besser zum Ausdruck zu bringen, organisieren die Statthaltereien von Deutschland, Österreich und der Schweiz gemeinsame Investituren. So fanden zum Beispiel 1979 und 1986 in Salzburg und 1996 in Einsiedeln sogenannte Dreiländerinvestituren statt.
Wallfahrten
Gleich ob Jerusalem, Rom oder Santiago de Compostela: diese drei Hauptziele eines christlichen Pilgers sind von alters her bezeugt. Wiege und Ort der Besiegelung des Glaubens an den dreieinigen Gott, Opferstätte der frühesten Blutzeugen Petrus und Paulus, Sternenfeld der Ausbreitung des christlichen Glaubens: davon legt die geheiligte Erde in Jerusalem, Rom und Santiago Zeugnis ab.
Die erwähnte Wallfahrtstriade steht jedem Christen offen, der den Weg der inneren Reinigung und Heiligung unter die Füsse nehmen will. Das Zweite Vatikanische Konzil hat die Kirche als pilgerndes Volk Gottes umschrieben, das zur Zeit der irdischen Kirche immer auf dem Weg ist. Dieser Pilgerschaft wird sich jeder und jede Gläubige ganz besonders in dem Moment bewusst, wenn er oder sie eine Wallfahrt antritt.
Die Ritter und Damen des Ordens vom Heiligen Grab sind ebenfalls Glieder des pilgernden Gottesvolkes. Sie sind dies sogar in ganz besonderer Weise, denn ihr geistliches Sinnen ist vornehmlich auf Jerusalem und die Heiligen Stätten ausgerichtet. Ihr karitatives und soziales Engagement richtet sich in erster Linie an die Christen im Heiligen Land. Dadurch wandert ihr Geist mehrmals pro Jahr an die Orte des Wirkens und Leidens Jesu Christi. Ritter und Damen sind demnach bereits auf Grund ihrer Zugehörigkeit zum Heiliggraborden in steter Verbindung mit dem irdischen Jerusalem.
In den Richtlinien für die Erneuerung des Ritterordens vom Heiligen Grab im Hinblick auf das dritte Jahrtausend heisst es: „Eine Wallfahrt zum Heiligen Grab unseres Herrn und in das Heilige Land entspricht einer moralischen Verpflichtung, die jeder Ritter und jede Dame – mit der Hilfe Gottes – wenigstens einmal in ihrem Leben erfüllen sollte.“ Diese Forderung wird mit einem inneren und einem äusseren Grund untermauert. Die Wallfahrt hilft uns, die Bedeutung unseres Lebens als „Pilger des Glaubens“ und seine Verankerung in der Auferstehung Jesu Christi besser zu verstehen. Auf diese Weise werden wir für ein gegenseitiges ökumenisches und karitatives Verständnis unseren Glaubensbrüdern und –schwestern gegenüber empfänglicher und werden in diesem Zusammenhang begreifen, dass der Weg des Kreuzes ein Weg des Lebens und der Hoffnung ist.
Ferner ist die Wallfahrt zum Grab unseres Herrn und zu den anderen Heiligen Stätten auch ein Akt der Solidarität mit unseren Brüdern und Schwestern im Heiligen Land. Unsere Gegenwart bei ihnen ist eine Ermutigung für das christliche Volk, welches eine Minorität in dieser Region darstellt und inmitten vieler Probleme, unter einem enormen Druck und mit grössten Schwierigkeiten leben muss.
Ritter und Damen der Schweizerischen Statthalterei nehmen die Aufforderung, die Heiligen Stätten zu besuchen, sehr ernst. Regelmässig werden Wallfahrten zu den erwähnten drei Pilgerstätten organisiert. Wallfahrten ins Heilige Land werden regelmässig angeboten, ebenso nach Rom. Santiago ist bis jetzt eher ein Fernziel geblieben, das gut alle zehn Jahre als Pilgerort aufgesucht wird (1972, 1983, 1997).
Einzelne Wallfahrten führten nach Fatima (1972, 2008), zur Schwarzen Madonna in Tschenstochau (1988) und zum Grabtuch von Turin (1998). Aber auch näher gelegene Wallfahrtsorte wie Einsiedeln, Mariastein und Flüeli-Ranft - teilweise mit einer Investiturfeier verbunden – dienten der Vertiefung der persönlichen Frömmigkeit. Dieser wichtige Bestandteil des Ordenslebens in der Schweiz liess die einzelnene Mitglieder immer wieder von neuem zu tätiger Caritas – besonders im Heiligen Land – inspirieren. So ist das Wallfahrtserlebnis im Lauf der Zeit zu einer festen Tradition der Schweizerischen Statthalterei geworden, die bereits auf die stattliche Zahl von über 40 Pilgerfahrten zurückschauen kann.
Besinnungstage
Auf vielfältigen Wunsch der Ordensmitglieder wurden erstmals 1964 Einkehrtage der Schweizerischen Statthalterei durchgeführt. Ritter und Damen meldeten das Bedürfnis an, sich einmal im Jahr unter geistlicher Führung in ein Glaubensthema vertiefen zu können. Die Zugehörigkeit zum Ritteroden beschränkt sich nicht nur auf sozial-karitative Werke, die finanziell unterstützt werden. Rittersein ist vornehmlich eine geistige Haltung, die sich im ganzen Leben auszeichnet. Es versteht sich daher von selbst, dass die Wellen geistlichen Lebens von Zeit zu Zeit neu belebt werden müssen. Der gegenseitige Austausch und die gemeinsame Feier des Glaubens tragen zur unverkennbaren Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls und der freundschaftlichen Bande zwischen den einzelnen Mitgliedern des Ritterordens bei.
Standen die Besinnungstage ursprünglich unter der Obhut des Klosters Mariastein, wurden sie später nach Bad Schönbrunn verlegt. Das stetig wachsende Interesse an diesem auf den Spätherbst festgelegten Besinnungsschwerpunkt verlangte alsbald nach einem Haus mit grösseren Kapazitäten. Seit 1976 finden die Besinnungstage in der ehemaligen Propstei Wislikofen statt. Dank des unermüdlichen Einsatz einiger Ordensmitglieder gelang es während nunmehr vierzig Jahren kompetente Persönlichkeiten für die Gestaltung dieser Einkehrtage zu gewinnen. Die Treffen werden besonders unter den Schwerpunkten Spiritualität, Marienfrömmigkeit, Kirche und Glaubensfragen sowie geistliche Dimensionen des Ritterseins organisiert.
Die Section de la Suisse romande führt ihre Besinnungstage in den Abteien von St. Maurice und Hauterive durch. Ebenso veranstaltet die Sezione della Svizzera Italiana Ihren Einkehrtag Anfang Dezember in Breganzona, Lugano, im schönen Kanton Tessin, zusammen mit den Seminaristen des dortigen Priesterseminars.
Die Tage der spirituellen Sammlung und des In-sich-gekehrt-Seins des Ritterordens bestärken die Damen und Ritter darin immer wieder von neuem, dass die Mitgliedschaft im Ritterorden vom Heiligen Grab ein persönliches Bekenntnis zum apostolischen Wirken der römisch-katholischen Kirche in der Welt ist. Einkehr- und Besinnungstage helfen den Mitgliedern, den eigenen Glauben zu verstärken und vertiefen. Gebet, Gespräche und geistliche Impulse dienen der Inspiration. Aus den reichen Erfahrungen von Menschen geistlichen Lebens schöpfend und eingebettet in gemeinsame Liturgie und Gebet wecken diese Tage eine Sensibilität, sein Leben wieder stärker und bewusster in den Dienst Gottes zu stellen. In der Spiritualität kann man Antworten auf konkrete Herausforderungen unserer Zeit und Kultur finden.
Damen und Ritter der Schweizerischen Statthalterei des Ordens vom Heiligen Grab haben den Auftrag, Jesus Christus, den Auferstandenen, der Welt von heute zu bezeugen. Sie solidarisieren sich ganz besonders mit der Kirche, die im Heiligen Land ist. Sie lassen sich leiten vom Nachfolger des heiligen Petrus. Zu diesem Ziel gelangen sie auf dem ordenseigenen Weg, durch Aktivitäten, die den menschlichen, moralischen, finanziellen, sozialen und karitativen Möglichkeiten entsprechen. Das bezeugen sie durch die Verwirklichung sichtbarer Werke im Heiligen Land. Sie bezeugen es auch durch die äusseren, ordenseigenen Zeichen, die sie bei den liturgischen Feiern tragen.
Sie bezeugen es des Weiteren durch die aktive Teilnahme am Leben der Schweizerischen Statthalterei, der Sprach-Sektionen und Komtureien, durch die Versammlungen, Besinnungstage, Wallfahrten usw. In allen diesen Aktivitäten, seien es gemeinsame oder einzelne Werke, tun sie nichts anderes, als sich zu bemühen, das Antlitz Christi, das ihnen durch die Taufe eingeprägt ist, zu offenbaren und sichtbar zu machen.
Die Zeitschrift „UNITAS“
Die Ordenszeitschrift besteht seit dem Jahre 1967. Sie ist als einigendes Verbindungsglied zwischen der Statthalterei, den Sektionen und den Komtureien, aber auch zwischen den einzelnen Ordensmitgliedern nicht mehr werdzudenken. Sie trägt zudem wesentlich dazu bei, die Spiritualität des Ordens aufrechtzuerhalten und zu vertiefen.

